Einmal im Leben einen Marathon laufen. Mit diesem Vorsatz habe ich im April mit dem Training auf den Marathon im Oktober begonnen. Eigentlich glaubte ich, gut vorbereitet zu sein. Viele Kilometer habe ich im Aachener Wald verbracht, mal mit, mal ohne Kalle, mit der Laufgruppe und ohne, lange Strecken mit Jannis - Danke hierfür! Intervalltraining, Fahrtspiele, Pulskontrolle, etc. Zwei Wochen vor dem Marathon hatte ich das Gefühl, einen Infekt eingefangen zu haben und schraubte mein Training stark nach unten. Was meinem Körper allerdings sehr gut tat, denn ich fühlte mich am Tag des Marathons sehr gut. Also, los nach Köln. Aufgeregt waren wir viel zu früh da und konnten so den Start des Halbmarathons noch miterleben. Meine Nervosität stieg mit jeder Minute. Noch am Vorabend hatte ich mir eine super geniale Playlist auf mein Handy gespielt, die mich zu meinem gesteckten Ziel tragen sollte; das erste Drittel Tempo 5:40, zweite Drittel Tempo 5:30 und zum Schluss - wenn es denn dann noch möglich sein sollte - Tempo 5:20. Startschuss in Startzone Orange, los geht’s! Die ersten 10 Kilometer liefen echt super. Ich brauchte allerdings ein paar Kilometer, bis mir bewusst wurde, dass mein Handy die Titel meiner Playlist zufällig und nicht in der von mir gedachten Reihenfolge spielte. Da war meine Strategie schnell hinfällig. Die Einstellung konnte ich auch während des Laufs nicht ändern. Egal! Es lief ja gut; auch die nächsten 10 Kilometer. Und immer im Bereich meines optimalen Pulses.

Da ich mir viele Ratschläge angehört und so einiges an Lektüren zur Bewältigung eines Marathons durchgelesen hatte, wusste ich, dass ich den Mann mit dem Hammer zu erwarten hatte. Ab Kilometer 32. Bei Kilometer 23 bekam ich einen Krampf in der rechten Wade. Es war schmerzhaft, aber auszuhalten. Ich erinnerte mich an die Worte von Thomas Kramer, der sich bei einem Wettkampf mit den gleichen Symptomen Wasser über die schmerzenden Muskeln goss. Das tat ich dann an der nächsten Trinkstation. Was dazu führte, dass ich von den Knien an abwärts total nass wurde. Ich lief also mit Wasser in den Schuhen weiter. Langsam quälte mich nicht nur die Wade, ich hatte auch schrecklichen Hunger. Bananen kann ich nicht essen, irgendwelche iostonischen Getränke oder Cola wollte ich nicht trinken, da blieb mir nur mein Dextro Energen. Das nahm ich kurz nach einer Trinkstation zu mir, was dazu führte, dass ich zu ersticken drohte. Denn ohne etwas zu trinken, kann so ein Traubenzucker ziemlich staubig werden. Ich lief also mit Schmerzen weiter und dachte immer nur, das kann der Mann mit dem Hammer nicht sein. Er kommt ja erst ab Kilometer 32! Bei Kilometer 28 habe ich mich dann damit abgefunden, dass der Mann mit dem Hammer sich bei mir einfach geirrt haben muss und zu früh kam. Ich redete mit ihm. Ich beschimpfte ihn und jagte ihn davon. Er kam leider immer wieder. Mittlerweile hatten mein Runtastic und die Streckenführung unterschiedliche Distanzangaben. Meiner AppleWatch war die kontinuierliche Nutzung der WorkoutApp wohl zuviel, so dass diese nach 3 Stunden 40 Minuten den Geist aufgab; das Akku war leer. Ich hangelte mich von Trinkstation zu Trinkstation. Begoss meine Waden und mittlerweile auch die brennenden Oberschenkel, trank mindestens einen Liter Wasser und lief weiter. Bei Kilometer 38 überlegte ich, wie viel ich wohl bereit wäre dem Mann am Strassenrand für seinen Roller zu zahlen. Viele Male dachte ich daran, einfach stehen zu bleiben. Ich wollte mich auch hinschmeissen und allen erzählen, dass ich gestolpert sei und deshalb nicht weiter konnte. Mittlerweile schmerzte auch mein rechter Fuss. Ich war allerdings echt erstaunt, wie viele Läufer ich noch auf den letzten 10 Kilometern überholen konnte. Ab Kilometer 40 war ich nur noch am fluchen und fragte mich, wann denn endlich dieser dämliche Dom zu sehen ist! Dann sah ich ihn. Es war wie eine Befreiung, die dann doch noch zwei unendlich lang erscheinende Kilometer dauerte. Nach 42,195 Kilometern kam ich endlich im Ziel an. Die Zeit?! Die war mir total egal! Ich war im Ziel! Ein Rat aus den unzähligen Ratgebern lautet: bleib nicht gleich im Ziel stehen, laufe ca. 10 Minuten aus, Dein Körper wird es Dir danken! Ganz ehrlich, den Ratschlag konnte ich gar nicht mehr befolgen! Ich war fertig. Ich wollte nie wieder laufen. Ich konnte kaum ein Bein vor das andere setzen. Irgendwie habe ich es dann doch noch zu Lars und Kalle geschafft. Noch nie hatte ich einen schlimmeren Muskelkater wie diesen. Heute an Tag 2 nach Marathon kann ich wieder einigermaßen normal laufen. Die Treppen möchte ich noch immer rückwärts runter gehen. Fazit: ich weiss es noch nicht. Laufe ich noch einmal einen Marathon? Auch das weiss ich noch nicht! Es war aber sicher eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

 

Nur als Randnotiz die liebe Karin hat ihren ersten Marathon unter 4 Stunden gerockt in exakt 3:57,10, wir gratulieren und ziehen unseren Hut

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